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2007-10-02

plakativer titel

hier prägnante einleitung beginnen
und mit markanter
und bei bedarf auch blumiger
ausdrucksweise garnieren
sofern dadurch die sprache
nicht zu sehr überladen wirkt

man beachte dabei
die korrekte orthographie
vor allem die großschreibung
der substantive und satzanfänge
je nach geschmack darf
auch jeder zeilenanfang
groß beginnen

an dieser stelle sollte
die aussage des gedichtes
bewusst verzögert werden
damit der leser oder zuhörer
auf jeden fall
zu ende lesen muss
allerdings sollte auch kein gefühl
von langeweile aufkommen

reimschema und versmaß
sind selbstverständlich schon
um der ästhetik willen pflicht
auf das metrum ist ebenso
peinlichst genau zu achten

das retardierende moment
sollte bewusst
aufrechterhalten werden
wir wollen doch noch
nicht zuviel verraten

bisweilen erlaubt allerdings
die künstlerische freiheit
stellenweise abweichungen
von der norm zu bringen
beispielsweise eine einzelne
strophe mit mehr oder weniger
versen als der rest

das gedicht sollte weder zu kurz
noch zu lang sein
daher schließen wir nun
mit einer letzten
krönenden strophe ab
und lassen den leser
mit unserem letzten und
unglaublich genial formuliertem satz
kurzerhand im unklaren
wie der titel denn
ursprünglich gemeint war

(2007)

2007-09-03

zerbrichmeinnicht

Schwarz und rot
Das Blütenblättermeer.
Weiß und tot
Wenn alle Nächte leer.

Heiße Glut
Im Feuerkerzenschein.
Sanft und gut
Dein filigranes Sein.

Festgekrallt
Am Seidenfadenstrang.
Unverhallt
Der Herzenschlägeklang.

Krafterfüllt
Such' ich für Dich das Licht.
Eingehüllt
Sagst Du: Zerbrich mein nicht.

(2007)

2007-08-30

(schrei!)

Es braucht nicht viel, (schrei!)
So nah am Ziel, (schrei!)
Ein kleiner Schritt, (schrei!)
Ich nehm' Dich mit. (schrei!)


Im Schatten der Seele, da lauert ein Ding,
Saugt sich an Dir fest, dringt in Deinen Kopf ein,
Ernährt sich, verzehrt sich, zerfrisst Dich, verschließt Dich,
Es raubt Dir die Ruhe und tötet Dich schließlich,
Drückt fester den Sarg in die Erde hinein.

Im Schatten der Seele, da lauert ein Ding,
Wenn Das Schweigen zu brechen misslingt.

Sei! (für die angst jetzt ein ewiges grab)
Frei! (der gedanke, lass nicht davon ab)
Schrei! (deinen geist in die tiefe hinab)


Es gibt einen Weg, der befreit von der Not,
Der sichtbar sich streckt und die Stille zerstört,
Der wahr ist, der klar ist, der schmal und auch schwer ist,
Der zeigt, dass auch Du tief im Herzen nicht leer bist,
Weil Dir dieser Traum doch schon lange gehört.

Es gibt einen Weg, der befreit von der Not,
Doch mit Schweigen ereilt Dich der Tod.

Sei! (nicht dein feind, der den glauben bezwingt)
Frei! (wenn der ruf in der seele erklingt)
Schrei! (dass das glas deines käfigs zerspringt)


Du stolperst noch taub durch die eisige Welt,
Doch spürst Du wie schon jener Wunsch in Dir bebt,
Zu springen, zu fallen, zu träumen, zu fliegen,
Im Kampf gegen Dich schließlich selbst zu obsiegen,
Weil jetzt in der Brust dieser Schrei erneut lebt.

Du stolperst noch taub durch die eisige Welt,
Bis das Schweigen Dich nicht länger hält.

Sei! (wie ein engel, mit flügeln bedacht)
Frei! (diese worte mit magischer macht)
Schrei! (deine sehnsucht hinaus in die nacht)

(2007)

2007-08-06

david gegen goliath

Es ist ein Kampf entbrannt
in dem Land,
das nicht erkannt
hat, dass sich Größe niemals über Macht bestimmen lässt,
und dass der wahre Sieger scheinbar nur Verlierer ist,
weil er sich misst
und nicht vergisst,
dass ein Parasit ihn auffrisst.
D'rum labt euch an dem Waffengang
und schaut euch das Spektakel an:
Mensch gegen...

Insekt!
Jetzt Gehörst Du Mir!
Insekt!
Du Ungetier!
Insekt!
Willst Du Mir Nicht Dienen?
Insekt!
Ich Mag Nur Honigbienen!

insekt!
hab keine angst vor dir!
insekt!
bist nicht mehr lange hier!
insekt!
du erkennst noch nicht!
insekt!
dass deine welt zerbricht!

Das Kleine hält mühsam dagegen,
unterlegen,
doch verwegen
kämpft es tapfer, wehrt sich kühn und standhaft
beißt und sticht es, zuckt auch krampfhaft,
doch der Mensch schafft,
dass Lebenssaft
fließt ob der geballten Kampfkraft!
Nun hebt er seinen Stiefel an,
im Kampf der Kämpfe spricht er dann:
Du Bist Ein...

Insekt!
Ich Zertrete Dich!
Insekt!
Wie Jämmerlich!
Insekt!
Blutest Du Schon?
Insekt!
Dein Leben Blanker Hohn!

tritt drauf!
Es Zappelt Noch!
schlag zu!
Du Willst Es Doch!
tod mir!
Der Du Schwächlich Bist!
mein blut!
Hab Ich Sehr Vermisst!


Als das Insekt in den letzten Atemzügen,
keuchend, kraftlos, leer, am Boden lag,
hob er es auf und nahm es in die mächtige Hand
und drückte zu.
Er zerqueschte es in seiner Faust;
das Blut quoll zwischen den Fingern hervor
und lief seinen Arm hinab.
Auf einmal wurde er ganz blass
und ließ sich langsam zu Boden sinken:
Das Blut war sein eigenes gewesen.
Und im Angesicht seines nahenden Todes hörte er
tief in seinem tauben Ohr eine Stimme,
die ihm zuflüsterte:
ich bin ein...

Insekt!
mein blut in deinen adern!
Insekt!
sollst mit dem schicksal hadern!
Insekt!
dein leben ausgehaucht!
Insekt!
ich hab dich nie gebraucht!

(2006)

2007-07-28

insektoid

Die Zeit ist da, sie sind schon hier,
Sind tief im Schatten hinter Dir,
Kannst sie nicht seh'n, kannst sie nicht tasten,
D'rum wird Dein Herzschlag heut' nicht rasten.

Langsam aber sicher
Erhebt sich in der Ecke,
Wie irre, mit Gekicher,
Die kleine schwarze Zecke,
Sie saugt Dich aus,
Sie frisst Dich auf,
Folgt Deiner Schritte schnellen Lauf,
Und wartet hinter jedem Haus.

Die Zeit ist da, es ist gescheh'n,
Du kannst sie um Dich kriechen seh'n,
In Deinem Kopf, unter der Haut:
Sie haben schon ihr Nest gebaut.

Eine Haut aus Stahl,
Tod in Überzahl.
Zwei gebrochene Fühler,
Sei jetzt des Narren Schüler.
Drei Teile Schmerz,
Und Licht, wie Gift durchfährt's.
Sechs Schritte Freiheit,
Beweist Dir Deine Torheit.
Tausend Blicke Nacht,
Wie Feuer Dich entfacht.

Im klaren Stein nun eingeschlossen,
In einen Block hineingegossen,
Harrst Du der Dinge, die da kommen,
Denn Dich habe ich mitgenommen.

Von allen Wesen dieser Welt,
Hab' ich Dich endlich auserwählt,
Mich zu begleiten immerfort,
Komm mit mir, an den dunklen Ort.

Eine Haut aus Stahl,
Du hast keine Wahl.
Zwei gebrochene Fühler,
Die Tage werden kühler.
Drei Teile Schmerz,
Umschließ' ihn tief im Herz.
Sechs Schritte Freiheit,
Sie führen in die Klarheit.
Tausend Blicke Nacht,
Aus Alpträumen gemacht.

(2007)

2007-07-07

dies ist wahnsinn

zwangsjacke, pille, irrenhaus!
verrückte sperrt man vom leben aus!
sie schaufeln unsrer welt ein grab!
drum schneidet ihre zungen ab!
wir müssen ihren willen brechen!
sonst beginnen sie zu sprechen!

... denn ich sage euch: dies ist wahnsinn:
wenn selbstzerstörung anklang findet,
blanker hass uns aneinander bindet,
wenn stetes schweigen uns begleitet
die angst den weg uns immer leitet,
wenn die hoffnung jäh im licht zerrinnt
und narren plötzlich götter sind!

zwangsjacke, pille, irrenhaus!
verrückte sperrt man vom leben aus!
sie schaufeln unsrer welt ein grab!
drum schneidet ihre zungen ab!
wir müssen ihren willen brechen!
sonst beginnen sie zu sprechen!

... und ich sage euch: dies ist wahnsinn:
wenn menschen nur noch lügen glauben,
uns auch des letzten hemds berauben,
wenn ein könig um armut betteln muss,
das leid der andern ein genuss,
wenn die welt erzittert vor einem kind
und narren plötzlich götter sind!

zwangsjacke, pille, irrenhaus!
verrückte sperrt man vom leben aus!
sie schaufeln unsrer welt ein grab!
drum schneidet ihre zungen ab!
wir müssen ihren willen brechen!
sonst beginnen sie zu sprechen!

... ja, ich sage euch: dies ist wahnsinn:
wenn sich täter rühmlich opfer nennen,
der stille wert wir nicht erkennen,
das denken nur noch ist ein graus,
wir uns laben am eignen leichenschmaus,
wenn ekel beweis ist, dass man spinnt
und narren plötzlich götter sind!

zwangsjacke, pille, irrenhaus!
verrückte sperrt man vom leben aus!
sie schaufeln unsrer welt ein grab!
drum schneidet ihre zungen ab!
wir müssen ihren willen brechen!
sonst beginnen sie zu sprechen!

... denn nun heißt es: folgt dem wahnsinn,
der angst und furcht in uns zerstört,
mit jedem kuss dich neu betört,
dessen gott in einem spiegel lebt,
den mensch zum adel neu erhebt,
die herrschaft deines selbst beginnt
weil narren nunmal götter sind!

(2006)