2009-10-31

nur ein test

Als die Türme fielen,
Fand man schnell den Feind.
Doch was keiner wusste:
Wir waren gemeint.

Als dann Bomben fielen,
War die Sache gerecht,
So manches Kind, das musste
Nun raus in das Gefecht.


Und so begann der Krieg,
Und so begann der Krieg,
Und so begann der Krieg
Gegen das fremde Phantom.


Ein paar von uns erkannten,
Es ging doch nur um Geld.
Für Drogen, Öl und Waffen
Zogen sie ins Feld.

Und immer mehr erkannten,
Um Freiheit ging es nie,
Es ging doch nur ums Raffen,
Nicht um Demokratie.


Und so begann der Krieg,
Und so begann der Krieg,
Und so begann der Krieg
Gegen das Wort und die Wahrheit.


Und schließlich ging es abwärts,
Ganz langsam Schritt für Schritt,
Begann mit Raster und Vorrat,
Und manchem Türeintritt.

Die Zeit verlief nun rückwärts,
Vergessenes kehrte zurück,
Was Blindheit, was Hass uns einst antat,
Zerstört heute wieder das Glück.


Und so begann der Krieg,
Und so begann der Krieg,
Und so begann der Krieg
Gegen das eigene Volk.


Und schließlich sinnen wir wieder:
Wem nützt dies, was ist denn der Zweck?
Ist es Geld? Oder doch die Gesetze,
Die da nehmen die Freiheit uns weg?

Doch bald schon heißt es wieder:
Seht den Feind, der uns alle bedroht!
Und dann folgen sie wieder der Hetze,
Und rennen für nichts in den Tod.


Das war noch nicht der Krieg,
Das war noch nicht der Krieg,
Das war noch nicht der Krieg,
Es war alles nur ein Test.

(2009)

2009-04-27

namen sind narben

auch worte sind waffen, das lernte ich früh,
die schnitte und stiche vergesse ich nie.

auch tötet' das wort, das mich jedes mal brach,
die heilung war stets nur die leere danach.

und namen sind narben, sie brennen noch lang,
denn schmerzhaft verfolgt mich ihr ewiger klang.

alle hinter mir gelassen.
niemals wirklich wurzeln fassen.
ach, könnt' ich nur richtig hassen!


und manchmal überkommt mich der drang,
dann stechen die namen ins ruhlose fleisch,
und brandmalen gleich stehen bilder im raum:
gesichter und orte, und dann diese blicke...


wo gingen sie hin, als ich sie verlor,
was machten sie denn, als ich einmal erfor?

wie können sie lachen, dieweil ich vergehe,
und jedesmal wieder alleine dastehe?

was ist es, dass die wege immer wieder trennt,
und jedesmal weitere namen einbrennt?

von erinnerung besessen.
ist der wunsch denn so vermessen?
ach, könnt' ich doch auch vergessen!


und manchmal überkommt mich der drang,
dann stechen die namen ins ruhlose fleisch,
und brandmalen gleich stehen bilder im raum:
gesichter und orte, und dann diese blicke...


ganz selten ergibt sich der seltsame brauch,
dann findet verlorenes mich einmal auch.

dann schwindet der schmerz für den kurzen moment,
wenn das schicksal erbarmen dann scheinbar doch kennt

noch einmal erhitzt sich die alte glut,
und weicht dann sehr schnell auch derselben wut.

niemand ist je lang geblieben.
alle hat es fortgetrieben.
muss sie dennoch weiter lieben!


und manchmal überkommt mich der drang,
dann stechen die namen ins ruhlose fleisch,
und brandmalen gleich stehen bilder im raum:
gesichter und orte, und dann diese blicke...

(2008)