2007-06-28

weiße schwingen

Einst glaubte ich mich selbst verloren,
Zum Leid, zum Tode auserkoren,
Durchlitt die Hölle hier auf Erden,
Wollt' nur ein Häuflein Asche werden.
In Leere stürzend, ungehindert,
Da gab es nichts, was den Schmerz lindert.

Wenn Wirbelwind mich manchmal trug,
So war er dennoch nie genug,
Zu bremsen meinen freien Fall
Hinab ins Nichts, so voller Qual.
Ach hätt' ich Flügel, um zu fliegen,
So könnte meine Hoffnung siegen!

Die Hoffnung, dass der Sturz würd' enden,
Ein neuer Stern die Richtung wenden.
D'rum suchte ich den Himmel ab,
Doch für mich es kein Licht dort gab,
Bis dass das Wunder ward geschehen:
Ich durfte einen Engel sehen!

So golden hell, so strahlend schön,
Ein Traum dies Wesen anzuseh'n:
Vor langer Zeit Dich schon erblickt,
Hatte die Furcht damals erstickt,
Was dieses Engels Kraft geweckt;
In Stille hatt' ich mich versteckt.

Doch schau ich in dies Antlitz hier,
Erwacht die alte Kraft in mir,
Zu leben, fliegen, engelsgleich,
Zu finden jenes Himmelreich,
Welches ich einstmal schon gesehen,
Wo ich schon durft' auf Wolken gehen!

Auf weißen Schwingen federleicht,
Voll Anmut, Stärke, unerreicht,
So lang verloren, neu gefunden -
War Dir im Herzen stets verbunden.
So hast Du schnell in jener Nacht
Das Feuer in mir neu entfacht.

(2007)

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